Süsser Nikolaus
Gesellschaft

Lieber Mann, böser Mann

Es ist dunkel draussen. Im Treppenhaus ist es still. Noch. Und plötzlich poltert jemand mit schweren Schuhen die Treppe hoch und bleibt vor der Haustüre stehen. Er hat ein Glöcklein dabei, klingelt und klopft an die Haustüre. Die Mutter öffnet die Türe. Den Kindern, die verstohlen und neugierig zur Türe gucken, schlagen die Herzen bis zu den Hälsen. Da steht er, der Mann in den schweren Stiefeln und dem roten Gewand.

Es ist der Samichlaus mit einem grossen, schweren Sack in der Hand. Er ist gekommen, um zu schauen, ob die Kinder das Jahr durch auch schön brav gewesen sind. Hinter ihm steht der Mann in Schwarz. Der Schmutzli hält eine Fitze in der Hand. Ein Schauer fährt den Kindern über den Rücken, ein mulmiges Gefühl und ein bisschen schlechtes Gewissen hält sich hartnäckig wie ein Klumpen im Bauch, schliesslich war man ja nicht immer so brav, wie es die Eltern gern gehabt hätten. Die beiden treten ein.

Der Ablauf der ganzen Szenerie dürfte bis zu diesem Zeitpunkt mit der heutigen, wie mit der früheren Zeit vergleichbar sein. Die «Angst» vor dem Samichlaus hat sich allerdings verändert. Während die Angst der meisten Kindern von heute eher auf dem Ungewissen basiert und sich gar mit Aufregung und Vorfreude mischt, wurde die Angst der Kinder vor Jahren massiv mit Drohungen geschürt. Wenn sie nicht brav seien, würden sie vom Samichlaus in den Sack gesteckt und von ihm in den Wald verschleppt werden.

«Früher waren die Umgangsart und die Erziehungsmethoden allgemein rauer. Denken Sie beispielsweise an die Körperstrafen in der Schule, die heute kaum mehr toleriert werden. Der Samichlaus, und vor allem der Schmutzli wurden damals in diesem Sinne auch als strenger Erzieher dargestellt», weiss Christof Schmid, Obersamichlaus der Heerbrugger Samichläuse. Viele Veränderungen haben im «Samichlausgeschäft» stattgefunden. Der Samichlaus soll nicht mehr «der böse Mann» sein, mit dem Eltern ihren Kindern drohen. Der Samichlaus verkörpere einerseits Sinn und Geist des barmherzigen Bischof von Myra, welcher den Armen half. Der Samichlaus besuche die Kinder einmal im Jahr als guter Mann, um Freude in die Familien zu bringen und die Kinder vor allem zu loben und im Dialog zu ermuntern, gewisse Verhaltensweisen zu verbessern.

Andererseits gehöre er zum Brauchtum, gehöre zum Advent und sei auch ein bisschen Unterhalter für die Familien, so der Obersamichlaus weiter. Die Fitze sei aber immer noch dabei. Und ganz selten weise der Schmutzli die Kinder darauf hin, dass es sie dann eben auch noch gäbe. Christof Schmid weiss aus Erfahrung, dass die meisten Kinder keine Angst mehr vor dem Samichlaus haben. Respekt aber schon. «Die Eltern wollen heute keine polternden Samichläuse und Schmutzlis mehr. Sie vermitteln den Kindern bereits vor dem Besuch, dass der Samichlaus ein guter Mann ist. Es wird auch kaum mehr mit dem Besuch des Samichlaus gedroht, sondern Vorfreude mit Zeichnen, Basteln, Chlausgeschichten erzählen bei den Kindern erwirkt.» Der Respekt sei aber zweifelsohne immer noch gross. Der Samichlaus habe ja auch eine prächtige, respektvolle Erscheinung wenn das Kind so vor ihm stehe, sagt Obersamichlaus Schmid.

Bild: Pixels.com

 © Melanie Graf

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