Impfung
Tiere

Oft enden Krankheiten tödlich

Einen Impfzwang für Hunde gibt es in der Schweiz nicht. Tierärztinnen und Tierärzte empfehlen aber, alle Hunde gegen Parvovirose, Staupe, ansteckende Hepatitis und Leptospirose zu impfen. «Mit diesen Erregern können sich Hunde nicht nur im Ausland sondern auch in der Schweiz anstecken. Diese Erkrankungen verlaufen häufig schwer und haben eine hohe Sterblichkeitsrate», begründet Barbara Willi, Oberärztin an der Klinik für Kleintiermedizin und am Veterinärmedizinischen Labor der Vetsuisse-Fakultät, Universität Zürich.

Sie weist darauf hin, dass bei einer Reise ins Ausland eine Tollwutimpfung vorgeschrieben sei. Die Betreuerin des Fachgebiets Klinische Infektiologie warnt davor, dass mit dem zunehmenden Import junger Hunde, insbesondere aus osteuropäischen Staaten, die Gefahr bestünde, dass viele Erkrankungen wieder häufiger in der Schweiz auftreten.

Impfgegner bezweifeln die Wirkung der Impfungen und halten die Nebenwirkungen für gefährlich. Silvia Dierauer aus Affoltern im Emmental ist bekennende Impfgegnerin. Vor ein paar Jahren starb ihr Hund, drei Wochen nach einer Impfung. Nachweisen liess es sich nicht, dass der Impfstoff Schuld am Tot ihres Hundes gewesen sein soll. Doch Silvia Dierauer ist davon überzeugt. Sie habe zu dieser Zeit einen weiteren, chronisch kranken Hund gehalten, der immer nach den Impfungen verstärkt erkrankt sei. Heute lässt sie keinen Hund mehr impfeh. «Meine beiden jetzigen ungeimpften Hunde sind wesentlich gesünder als jene, die geimpft wurden», sagt sie. Die Hunde hätten ein gutes Immunsystem und darauf komme es letzten Endes an.

«Solange die meisten Hunde in der Schweiz geimpft sind, fällt es Erkrankungen schwer, sich grossflächig auszubreiten. Deshalb profitiert der Hundehalter, der seinen Hund nicht impft, von der Durchimpfung der Hunde in seiner Umgebung», sagt Barbara Willi. Sie räumt ein, dass es selten zu Nebenwirkungen komme. In der Schweiz werden jährlich mehr als 300’000 Hunde geimpft. Gemäss Institut für Virologie und Immunologie, IVI, wurden in den Jahren 2007 bis 2011 bei etwa 25 bis 35 Hunden pro Jahr Nebenwirkungen nach Impfungen gemeldet. Gemäss Publikationen des IVI bestand nur etwa die Hälfte der gemeldeten Vorfälle im wahrscheinlichen Zusammenhang mit der Impfung. In diesem Zeitraum wurden zwei Todesfälle registriert, bei denen allenfalls ein Zusammenhang mit einer Impfung bestand. «Das Risiko, dass ein Hund wegen einer Impfung stirbt, ist verschwindend klein und nicht zu vergleichen mit dem viel höheren Risiko, dass ein nicht geimpfter Hund an Parvovirose, Staupe oder ansteckender Hepatitis erkrankt und daran stirbt», sagt Barbara Willi.

Die Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe wird im Rahmen der Zulassung durch das IVI überprüft. Der Hersteller muss dafür genau festgelegte Studien durchführen. Nebst diesen Daten des Herstellers gibt es zahlreiche unabhängige Studien. Aus diesen Studien geht hervor, dass die heute eingesetzten Impfstoffe gegen Tollwut, Staupe, ansteckende Hepatitis und Parvovirose bei Hunden eine Schutzwirkung von über 90 Prozent besitzen. In verschiedenen Studien, welche in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden, untersuchte man die Dauer des Impfschutzes genauer.

Die Studien haben gezeigt, dass nach der Grundimmunisierung gegen Staupe, Parvovirose und ansteckende Leberentzündung ein mindestens dreijähriger Schutz erreicht wird. Zur Grundimmunisierung zählen die Impfungen im Welpenalter und die Impfung nach einem Jahr. Bei Leptospirose oder Zwingerhusten wirke die Impfung allerdings nur bis maximal ein Jahr. Moderne Impfschemen nehmen heute auf die Lebensumstände des Tieres Rücksicht. Es gibt allerdings Hundeheime und Hundeferienpensionen, die noch eine jährliche Impfung gegen Staupe, Parvovirose und ansteckende Leberentzündung verlangen, wenn sie Tiere aufnehmen.

Für die Tierärzte haben die jährlichen «Impfbesuche» ein weiteres Ziel: Primär geht es darum, das Tier einem allgemeinen Check zu unterziehen. Dabei werden unter anderem Gesundheitszustand, Körpergewicht, Fütterung, Gebiss- und Augen-/Ohrzustand kontrolliert. Weiter werden die Zecken- und Flohprophylaxe, sowie die Notwendigkeit und Häufigkeit der Entwurmung besprochen.

 

Das Bundesamt für Veterinärwesen schliesst sich den Empfehlungen der Tierärzte an. Hundehalter sollten ihren Hund im Ausland auch vor Parasitenkrankheiten schützen. Unter www.geliebtgeimpft.ch erhalten Hunde- wie auch Katzenhalter ausführliche Informationen zu Krankheiten und Impfungen. Ebenso kann das am Tierspital Zürich angewandte Impfschema unter www.vetlabor.uzh.ch oder www.kltmed.uzh.ch, Klinische Infektiologie, eingesehen werden.

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© Melanie Graf

 

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