Zuckersucht

Das Leben ist (zu) süss

Zucker macht süchtig. Ich muss es wissen, denn ich habe gerade einen Entzug hinter mir.

Zugegeben, Zucker versüsst das Leben. Wer mag sie nicht, diese köstlichen Gummibärchen und M&M’s zwischendurch, eine kühle Coke aus der Kühlbox oder Grossmutters Schokoladenkuchen? Mein Zuckerkonsum beschränkte sich lediglich auf diese «kleinen Sünden». Darauf kann man schliesslich ohne Probleme verzichten. Dachte ich, als ich das Experiment «30 Tage ohne Zucker» begonnen habe.

Bei diesem Experiment ging es in erster Linie darum, auf Kristallzucker, also den gewöhnlichen Haushaltszucker (Saccharose) zu verzichten. Es gibt bekanntlich verschiedene Zuckerarten, die auch in naturbelassenen Nahrungsmitteln vorkommen. Die Fruktose in Früchten beispielsweise. Diese wurden nicht vom Speiseplan gestrichen. Auch auf Milch und Käse mit der natürlich vorkommenden Laktose wurde nicht verzichtet. Stärkehaltiges Brot und Kartoffeln blieben ebenso auf der Menükarte, ich wollte mich ja nicht zu Tode hungern.

Wenige Tage nach Beginn des Experiments stellten sich Kopfschmerzen über mehrere Tage ein. Zudem litt ich mehr als zwei Wochen unter Heisshunger. Und überall lauerte die Versuchung. Der Einkauf wurde zum Horrortrip. So gut wie in allen verarbeiteten Lebensmitteln ist Saccharose enthalten. Beispiel: Jogurt. Ein Fruchtjogurt enthält 10 bis 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm Jogurt. Mit Ausnahme der Natur-Jogurts, welche nur die natürlichen vier bis fünf Gramm Milchzucker (Laktose) enthalten, führen die Grossverteiler in ihren Sortimenten keine Jogurts ohne Zuckerzusatz und ohne künstliche Süssstoffe.

Das hat einen einfachen Grund, wie Sibylle Umiker
Mediensprecherin
der Emmi Management AG erklärt: «Zucker wird in Jogurts primär eingesetzt, weil er – genauso wie Fett – ein Geschmacksträger ist. Bei der Einführung neuer Jogurts lassen wir Konsumenten immer verschiedene Produktvarianten ausprobieren, die sich hinsichtlich des zugesetzten Zuckers unterscheiden. Erfahrungsgemäss werden die stärker gezuckerten Varianten bevorzugt.» Dies habe primär damit zu tun, dass Menschen hinsichtlich des Geschmacks von Lebensmitteln «Gewohnheitstiere» seien.

In den vergangenen 25 Jahren reduzierte die Milchverarbeiterin den Zuckergehalt in den Jogurts um 10 bis 30 Prozent. «Dass man auch zu viel des Guten tun kann, haben wir bei der Zuckerreduktion bei vor allem von Kindern konsumierten Früchtequarks erfahren müssen. Dort wurde der zugesetzte Zucker um 40 Prozent reduziert. In der Folge sind die Verkäufe dieses Produkts innerhalb eines Jahres um die Hälfte eingebrochen», so die Medienverantwortliche.

Emmi stellt mit Ausnahme des Naturjogurts kein Jogurt her, dass ohne zugesetzten Zucker ist. «Das würde einem Grossteil der Konsumenten schlicht und einfach nicht schmecken», so Sibylle Umiker.

Dem kann ich nicht zustimmen. Nach rund dreiviertel der Zeit, liess nicht nur der Heisshunger nach, sondern die ungezuckerten Lebensmittel haben begonnen zu schmecken. Und ganz nebenbei habe ich bei dieser Aktion – obwohl ich es eigentlich nicht nötig gehabt hätte – zwei Kilogramm Gewicht abgenommen.

Fazit: Ein Leben ohne Kristallzucker ist möglich, aber verdammt anstrengend.

Melanie Graf

Bild: Shannon Graf

 

 

 

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