Reiten im Damensattel
Reportage,  Tiere

Reiten im Damensattel: Mit Anmut und Eleganz

Der Damensattel scheint ein Relikt aus der Vergangenheit zu sein. Er findet aber neue Fans. Claudia Brühlmann mag es so zu reiten, insbesondere für die klassische Dressur.

Hier eine gekürzte Version:

Anmutig, wie einst die Österreichische Kaiserin Sissi in der Mitte des 19. Jahrhunderts, sitzt Claudia Brühlmann seitlich im Damensitz auf ihrer Knabstrupper-Stute Prada. Der lange Rock ihres Barockkostüms verdeckt ihre Beine und einen Teil des Bauchs des Fuchstigerschecken. Der linke Fuss liegt im Steigbügel auf,  das rechte Bein befindet sich unter dem Rock, im Verborgenen abgestützt auf einem Horn des Sattels. Sie trägt einen Hut und weisse Handschuhe. Ihr Oberkörper ist zum Kopf des Pferdes hingewandt. Sie hält die Zügel mit beiden Händen, in der rechten hält sie zusätzlich eine Gerte. 

Ein Maultier unter einem Damensattel

Mit dem linken Fuss und mit der Gerte gibt sie dem Pferd kaum merkliche Anweisungen. Es beginnt sich an Ort und Stelle trabartig zu bewegen. Die Piaffe ist eine Übung aus der klassischen Dressur. Im normalen «Männersattel» schon eine grosse Herausforderung. 

Das Interesse für das Reiten im Damensattel begann mit einem Bild eines Maultiers. Claudia Brühlmann lacht. «Tatsächlich, auf dem Bild war ein geschecktes Maultier unter einem Damensattel. Das Bild hat mich fasziniert. Ich wollte das auch ausprobieren.»

«Auf dem Bild war ein geschecktes Maultier unter einem Damensattel. Das hat mich fasziniert.»

Claudia Brühlmann

Knabstrupper – eine geeignete Pferderasse

Auf der Suche nach einer geeigneten Pferderasse  stiess sie auf die dänischen Knabstrupper.

Claudia Brühlmann züchtet Knabstrupper – Tigerschecken und einfarbige.

Wie Friesen, Lusitanos oder Lippizaner zählen Knabstrupper zu den Barockpferderassen. In Deutschland fand sie ein Gestüt, das ihr einen dreijährigen Hengst verkaufte. So kam Mikado von Kobold 2004 zu Brühlmanns. Seither züchtet die Familie Knabstrupper, einfarbige und Tigerschecken. Unter dem geliehen Damensattel lief Hengst Mikado perfekt. Sie kaufte sich einen eigenen Sattel, besorgte sich Kostüme und nahm an Turnieren teil.

Nicht jedem Pferd ist ein Damensattel zuzutrauen. Die Gewichtverteilung ist anders als bei einem Herrensattel und erfordert für Pferd und Reiter ein gutes Gleichgewicht. 

Menschenbezogene Pferde

«Wichtig ist, dass das Pferd auf die Stimme hört», sagt sie. «Das Pferd muss brav sein und einen ausgeglichenen Charakter haben. Das ist eine wichtige Voraussetzung.» Auch muss das Pferd auf Gewichtshilfen (Gewichtsverlagerung des Reiters) reagieren. Der Knabstrupper erfülle die Voraussetzungen, schwärmt die Züchterin.

Für die Pflichtdisziplinen trägt Claudia Brühlmann einen Reithabit.

Es ist möglich mit einem Damensattel über hohe Hindernisse zu springen. Das bewies im Oktober 2013 die Irin Susan Oaks. Sie knackte mit 2, 03 Metern den Weltrekord. Zum Vergleich: Im Herrensattel liegt der Rekord bei 2,45 Metern (1993).

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