TTouch

Das Leben den Pferden gewidmet

In zahlreichen Büchern, die in zwölf Sprachen übersetzt wurden, in vielen Videos und Vorträgen übermittelt Linda Tellington-Jones ihr Wissen über Pferde und deren gewaltfreie Ausbildung. Ihre entwickelte Tellington TTouch Methode fördert das Vertrauen vom Tier zum Menschen. Mit sanft kreisenden Hautbewegungen am Körper werden Stress abgebaut, das allgemeine Wohlbefinden gefördert und das Verhalten positiv beeinflusst. Die Methode hat Linda Tellington-Jones auch erfolgreich bei Menschen und Hunden umgesetzt.

Die 75jährige Linda Telligton-Jones spricht gut Deutsch, mit einem sympathischen Akzent, der ihre kanadische Herkunft verrät. Mit dem Schreiben auf Deutsch hätte sie manchmal ein wenig Mühe, da kämen manchmal komische Wörter heraus und gäbe viel zu lachen, sagt Linda Tellington-Jones und lacht dabei herzhaft. Die Frau mit den sanften Händen ist sieben Monate im Jahr rund um den Globus unterwegs, dreimal im Jahr in Europa. Als sie 1973 anlässlich der Equitana in Essen (D) das erste Mal nach Europa reiste, habe man ihr versichert, dass hier die Englische Sprache kein Problem sei. «Die Leute waren so nett, nur leider konnte ich sie nicht verstehen», erinnert sich Linda Tellington-Jones. Die deutsche Sprache habe sie sich selber angeeignet.

Rund 1500 Lehrerinnen und Lehrer in 27 Länder, sogenannte Practitioner, haben die Tellington TTouch Lizenz. Mit ihnen hält sie den Kontakt von ihrem Büro in Santa Fe, New Mexico aus. Ihr Zuhause allerdings, liegt von dort aus nicht gleich um die Ecke. In Kailua-Kona auf Hawaii lebt sie dort mit ihrem Mann Roland Kleger, ein Amerikaner mit deutschen Wurzeln, der sie regelmässig auf ihren Reisen begleitet. Wärend der Abwesenheit des Paares hütet ein «Housesitter» das Anwesen. Ihrer Westhighland-Terrierhündin «Reina» mutet sie die vielen Reisen nicht zu. «Reina» wartet an der hawaiianischen Sonne auf die Rückkehr ihres Frauchens.

Linda Tellington-Jones ist in Edmonton, in der kanadischen Provinz Alberta, auf einer Farm aufgewachsen. Sie ist als Kind zur Schule geritten und hat in ihrer Freizeit in einem Reitstall die verschiedenen Pferde bewegt. Als elfjährige nahm sie bereits an grossen, mehrtägigen Turnieren teil. Anfang der 60er Jahre war Linda Tellington-Jones Miteigentümerin des Araber und Vollblut Gestüts Thoroughbred Farm in Hemet, Kalifornien. Das Zuhause von 90 Rennstuten, 30 Araberstuten und vier Zuchthengsten. Mit ihrem ersten Mann, Wenworth Tellington, gründete sie in Kalifornien eine Ausbildungsstätte für Reiterlehrerinnen und Lehrer, die Pacific Coast Equestrian Ranch Farm. «Wir hatten Studenten aus 36 Staaten», erinnert sich Linda Tellington-Jones. In der neunmonatigen Ausbildung lernten die Reiterinnen und Reiter unter anderem Pferdemanagment und Pferdepsychologie. Ihr Mann sei in der Kavallerie gewesen und war im klassisch Reitbereich ausgebildet. In einem Programm unterrichtete sie geistig und körperlich Behinderte Teenager und entwickelte ein therapeutisches Reiten.

Die Pferdemassage habe sie bereits als Kind von ihrem Grossvater gelernt, erklärt Linda Tellington-Jones. Ihr Grossvater sei Trainer von Rennpferden gewesen und er habe die Methode in Russland bei einem Zigeuner gezeigt bekommen. Linda Tellington-Jones beginnt Mitte der 70er Jahren eine vierjährigen Ausbildung bei Moshe Feldenkrais. Ihre Absicht bestand darin, bessere Leistungsfähigkeit und Körperhaltung den Reitschülern zu vermitteln zu können. Nach dieser Ausbildung beginnt Linda Tellington-Jones intuitiv mit kreisförmigen Bewegungen am Körper der Tiere zu experimentieren. Sie erzählt vom Jahr 1983, dem Geburtsjahr der TTouch Methode. Sie habe eine Stute, die gebissen und getreten hätte, mit leichter und sanfter Massage behandelt. Die Stute hätte dies genossen und sei ruhiger geworden. Die Besitzerin habe gefragt, was sie da mache und ob man das lernen könne. Darauf hin habe sie, ohne nachzudenken und ganz intuitiv geantwortet: «Kümmere dich nicht darum was ich mache, leg einfach die Hand auf das Pferd und verschiebe die Haut im Kreis.» So entwickelten sich die TTouches für Mensch und Tier. In ihrem Reitausbildungszentrum wurden 1985/86 Tests mit durch den Wissenschaftler Maxwell Cade durchgeführt. Die Gehirnwellenaktivität zeigte, dass durch die sanften Hautverschiebungen das Gehirn ganzheitlich aktiviert wird. «Es ist faszinierend, wie einfach das ist», sagt Linda Tellington-Jones. Seit über 30 Jahre gibt sie ihr Wissen in Kursen weiter. Anfangs nur für Pferde, 1994 für Hunde, Katzen und Kleintiere.

Mit Monty Roberts, dem Pferdeflüsterer und Pat Parelli, dem Begründer des Natural Horsemanship, hat sie die «Alternative Reitmethode» zwar gemeinsam, ihre Methoden zum gewaltfreien Umgang mit dem Pferde seien verschiedene. Sie betont: «Jede Methode bringt ein anderes Geschenk.» Die Tellington TTouch Methode bringe Verständnis. Linda Tellington-Jones sieht sich als «Animal Ambassador», eine Botschafterin der Tiere. Sie sagt: «Ich möchte das Verständnis zwischen Mensch und Tier fördern» und fügt hinzu, dass wir das dringend brauchen. Auf ihr Leben rückblickend sagt Linda Tellington-Jones: «Ich hatte so viel Glück im Leben», manchmal könne sie es kaum glauben und sie sei für die Unterstützung, die sie von überall her bekomme sehr dankbar.

 © Melanie Graf

 

 

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